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manfred herok©2000-10

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Die Erkenntnis des Geistes ist die konkreteste,
darum höchste und schwerste.
Erkenne dich selbst, dies absolute Gebot hat weder an sich noch da,
wo es geschichtlich als ausgesprochen vorkommt, die Bedeutung nur einer Selbsterkenntnis nach den partikulären Fähigkeiten,
Charakter, Neigungen und Schwächen des Individuums,
sondern die Bedeutung der Erkenntnis des Wahrhaften des Menschen wie des Wahrhaften an und für sich,
- des Wesens selbst als Geistes.
Ebensowenig hat die Philosophie des Geistes die Bedeutung der sogenannten Menschenkenntnis, welche von anderen Menschen gleichfalls die Besonderheiten, Leidenschaften, Schwächen,
diese sogenannten Falten des menschlichen Herzens zu erforschen bemüht ist, - eine Kenntnis, die teils nur unter Voraussetzung der Erkenntnis des Allgemeinen, des Menschen und damit wesentlich des Geistes Sinn hat, teils sich mit den zufälligen, unbedeutenden,
unwahren Existenzen des Geistigen beschäftigt,
aber zum Substantiellen, dem Geiste selbst, nicht dringt.

Zusatz: 

Die Schwierigkeit der philosophischen Erkenntnis des Geistes besteht darin, daß wir es dabei nicht mehr mit der vergleichsweise abstrakten, einfachen logischen Idee, sondern mit der konkretesten, entwickeltsten Form zu tun haben, zu welcher die Idee in der Verwirklichung ihrer selbst gelangt.
Auch der endliche oder subjektive Geist - nicht bloß der absolute
- muß als eine Verwirklichung der Idee gefaßt werden.
Die Betrachtung des Geistes ist nur dann in Wahrheit philosophisch, wenn sie den Begriff desselben in seiner lebendigen Entwicklung und Verwirklichung erkennt,
d. h. eben, wenn sie den Geist als ein Abbild der ewigen Idee begreift.
Seinen Begriff zu erkennen gehört aber zur Natur des Geistes.
Die vom delphischen Apollo [>] an die Griechen ergangene Aufforderung zur Selbsterkenntnis hat daher nicht den Sinn eines von einer fremden Macht äußerlich an den menschlichen Geist gerichteten Gebots;
der zur Selbsterkenntnis treibende Gott ist vielmehr nichts anderes als das eigene absolute Gesetz des Geistes.
Alles Tun des Geistes ist deshalb nur ein Erfassen seiner selbst,
und der Zweck aller wahrhaften Wissenschaft ist nur der,
daß der Geist in allem, was im Himmel und auf Erden ist,
sich selbst erkenne.
Ein durchaus Anderes ist für den Geist gar nicht vorhanden.
Selbst der Orientale verliert sich nicht gänzlich in dem Gegenstande seiner Anbetung.
Die Griechen aber haben zuerst das, was sie sich als das Göttliche gegenüberstellten, ausdrücklich als Geist gefaßt,
doch sind auch sie weder in der Philosophie noch in der Religion zur Erkenntnis der absoluten Unendlichkeit des Geistes gelangt;
das Verhältnis des menschlichen Geistes zum Göttlichen ist daher bei den Griechen noch kein absolut freies.
Erst das Christentum hat durch die Lehre von der Menschwerdung Gottes und von der Gegenwart des Heiligen Geistes in der gläubigen Gemeine dem menschlichen Bewußtsein eine vollkommen freie Beziehung zum Unendlichen gegeben und dadurch die begreifende Erkenntnis des Geistes in seiner absoluten Unendlichkeit möglich gemacht.

Nur eine solche Erkenntnis verdient fortan den Namen einer philosophischen Betrachtung.
Die Selbsterkenntnis in dem gewöhnlichen trivialen Sinn einer Erforschung der eigenen Schwächen und Fehler des Individuums hat nur für den Einzelnen - nicht für die Philosophie - Interesse und Wichtigkeit, selbst aber in bezug auf den Einzelnen um so geringeren Wert,
je weniger sie sich auf die Erkenntnis der allgemeinen intellektuellen und moralischen Natur des Menschen einläßt und je mehr sie,
von den Pflichten, dem wahrhaften Inhalt des Willens absehend,
in ein selbstgefälliges Sichherumwenden des Individuums in seinen ihm teuren Absonderlichkeiten ausartet.
- Dasselbe gilt von der gleichfalls auf die Eigentümlichkeiten einzelner Geister gerichteten sogenannten Menschenkenntnis.
Für das Leben ist diese Kenntnis allerdings nützlich und nötig,
besonders in schlechten politischen Zuständen,
wo nicht das Recht und die Sittlichkeit, sondern der Eigensinn, die Laune und Willkür der Individuen herrschen,
- im Felde der Intrigen, wo die Charaktere nicht auf die Natur der Sache sich stützen, vielmehr durch die pfiffig benutzte Eigentümlichkeit anderer sich halten und durch dieselben ihre zufälligen Zwecke erreichen wollen.

[Kontext  >>>]


“Der delphische Apoll, die Pythia haben Sokrates für den weisesten der Griechen erklärt,
und diese Beziehung des Orakels auf ihn ist merkwürdig.
Im delphischen Orakel war Apollo als wissender Gott präsidierend,
- Phoibos der Wissende; sein höchstes Gebot war: Erkenne Dich selbst.
Es ist dies nicht Erkenntnis der eigenen Partikularität des Menschen,
sondern "Erkenne Dich" ist das Gesetz des Geistes.
Dies Gebot hat Sokrates erfüllt, das ????? sa?t?? [erkenne Dich selst]
zum Wahlspruch der Griechen gemacht; er ist der Heros, der an die Stelle des delphischen Gottes das Prinzip aufgestellt hat: 
der Mensch wisse in sich, was das Wahre sei, er müsse in sich schauen.
Die Pythia tat nun jenen Ausspruch;
und dies ist die Umwälzung,
daß an die Stelle des Orakels das eigene Selbstbewußtsein des Menschen,
das allgemeine Bewußtsein des Denkens eines jeden gesetzt ist.
Diese innere Gewißheit ist allerdings ein anderer neuer Gott,
nicht der bisherige Gott der Athenienser; und so ist die Anklage gegen Sokrates ganz richtig.

Betrachten wir noch den zweiten Punkt der Anklage, daß er die Jugend verführe.....”        >>>

 Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / 2. Prinzip des Guten Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / C. Sokratiker 
3. Schicksal des Sokrates


Erkenne Dich selbst >>> Sokrates >>>

Sich selbst zu erkennen, diese Richtung auf das, was unmittelbar gegenwärtig ist,
wie die endlichen Gegenstände, und als ein Inneres, wie der unendliche Gegenstand,
ist später.
Erkenne dich selbst ist das bekannte Gebot des delphischen Apollo
und bezeichnet den eigentümlichen Standpunkt der griechischen Bildung
als der sich selbst individuellen Geistigkeit.
Es macht dem griechischen Sinne Ehre, durch die  Inschrift
G???? sea?t?? auf dem Tempel des höchsten Wissens dies wahrhafte Selbstbewußtsein
über die Eigentümlichkeit des griechischen Geistes bewiesen zu haben.
Die Auslegung jenes Gebotes im Verstande einer Selbstkenntnis,
die nur auf die partikulären Zufälligkeiten, Neigungen, Fehler, Schwächen usf. des Individuums ginge,
wäre, könnte man sagen, des delphischen Apollo, des Wissenden, unwürdig,
weil solche subjektive Menschenkennerei dem griechischen Geiste noch fremd und ein späteres, modernes Erzeugnis ist.

Fragmente, Notizen, Aphorismen
Fragment zur Philosophie des Geistes125)                  [[1822 ff.]      [Erstes Bruchstück]


Bibel Zitate   >>>

“...Apoll erscheint als der wissende Gott, als das Aussprechen und schöne Darstellen der Interessen des Geistes, als Lehrer der Musen;
"Erkenne dich selbst" ist die Überschrift seines Tempels zu Delphi,   >>>

Hegel >>>

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“Das Eine, von sich selbst unterschieden, eint sich mit sich selbst."  >>> Heraklit

Erkenne Dich selbst >>> Sokrates >>>

Das Wahre ist das Ganze.

Erkenne Dich Selbst II   >>>

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