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manfred herok    2012

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 Es ist selten, dass ein Mensch weiß, was er eigentlich glaubt. “Das 'Hol' ihn der Teufel', das sich so häufig in scherzendem Unterton über unsere Lippen drängt, in unserem Unbewußten ist es ein ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch.”Kant-Hegel-Marx-Adorno #“Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen.”Kant-Hegel-Marx-Adorno #“Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen.”Kant-Hegel-Marx-Adorno #“Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen.”Kant-Hegel-Marx-Adorno #“Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen.”Kant-Hegel-Marx-Adorno #“Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen.”

Bibel-Hegel
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Kulturindustrie

Aufklärung als Massenbetrug


“Die soziologische Meinung, daß der Verlust des Halts
in der objektiven Religion, die Auflösung der letzten
vorkapitalistischen Residuen, die technische und so-
ziale Differenzierung und das Spezialistentum in kul-
turelles Chaos übergegangen sei, wird alltäglich
Lügen gestraft. Kultur heute schlägt alles mit Ähn-
lichkeit. Film, Radio, Magazine machen ein System
aus. Jede Sparte ist einstimmig in sich und alle zu-
sammen. Die ästhetischen Manifestationen noch der
politischen Gegensätze verkünden gleichermaßen das
Lob des stählernen Rhythmus. Die dekorativen Ver-
waltungs- und Ausstellungsstätten der Industrie sind
in den autoritären und den anderen Ländern kaum ver-
schieden. Die allenthalben emporschießenden hellen
Monumentalbauten repräsentieren die sinnreiche
Planmäßigkeit der staatenumspannenden Konzerne,
auf die bereits das losgelassene Unternehmertum zu-
schoß, dessen Denkmale die umliegenden düsteren
Wohn- und Geschäftshäuser der trostlosen Städte
sind. Schon erscheinen die älteren Häuser rings um
die Betonzentren als Slums, und die neuen Bunga-
lows am Stadtrand verkünden schon wie die unsoli-
den Konstruktionen auf internationalen Messen das
Lob des technischen Fortschritts und fordern dazu
heraus, sie nach kurzfristigem Gebrauch wegzuwerfen
wie Konservenbüchsen. Die städtebaulichen Projekte
aber, die in hygienischen Kleinwohnungen das Indivi-
duum als gleichsam selbständiges perpetuieren sollen,
unterwerfen es seinem Widerpart, der totalen Kapital-
macht, nur um so gründlicher. Wie die Bewohner
zwecks Arbeit und Vergnügen, als Produzenten und
Konsumenten, in die Zentren entboten werden, so kri-
stallisieren sich die Wohnzellen bruchlos zu wohlor-
ganisierten Komplexen. Die augenfällige Einheit von
Makrokosmos und Mikrokosmos demonstriert den
Menschen das Modell ihrer Kultur: die falsche Identi-
tät von Allgemeinem und Besonderem. Alle Massen-
kultur unterm Monopol ist identisch, und ihr Skelett,
das von jenem fabrizierte begriffliche Gerippe, be-
ginnt sich abzuzeichnen. An seiner Verdeckung sind
die Lenker gar nicht mehr so sehr interessiert, seine
Gewalt verstärkt sich, je brutaler sie sich einbekennt.
Lichtspiele und Rundfunk brauchen sich nicht mehr
als Kunst auszugeben. Die Wahrheit, daß sie nichts
sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die
den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich her-
stellen. Sie nennen sich selbst Industrien, und die pu-
blizierten Einkommensziffern ihrer Generaldirektoren
schlagen den Zweifel an der gesellschaftlichen Not-
wendigkeit der Fertigprodukte nieder.
    Von Interessenten wird die Kulturindustrie gern
technologisch erklärt. Die Teilnahme der Millionen an
ihr erzwinge Reproduktionsverfahren, die es wieder-
um unabwendbar machten, daß an zahllosen Stellen
gleiche Bedürfnisse mit Standardgütern beliefert wer-
den. Der technische Gegensatz weniger Herstellungs-
zentren zur zerstreuten Rezeption bedinge Organisati-
on und Planung durch die Verfügenden. Die Stan-
dards seien ursprünglich aus den Bedürfnissen der
Konsumenten hervorgegangen: daher würden sie so
widerstandslos akzeptiert. In der Tat ist es der Zirkel
von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis, in
dem die Einheit des Systems immer dichter zusam-
menschießt. Verschwiegen wird dabei, daß der
Boden, auf dem die Technik Macht über die Gesell-
schaft gewinnt, die Macht der ökonomisch Stärksten
über die Gesellschaft ist. Technische Rationalität
heute ist die Rationalität der Herrschaft selbst. Sie ist
der Zwangscharakter der sich selbst entfremdeten Ge-
sellschaft. Autos, Bomben und Film halten so lange
das Ganze zusammen, bis ihr nivellierendes Element
am Unrecht selbst, dem es diente, seine Kraft erweist.
Einstweilen hat es die Technik der Kulturindustrie
bloß zur Standardisierung und Serienproduktion ge-
bracht und das geopfert, wodurch die Logik des
Werks von der des gesellschaftlichen Systems sich den Konstruktionen auf internationalen Messen das
Lob des technischen Fortschritts und fordern dazu
heraus, sie nach kurzfristigem Gebrauch wegzuwerfen
wie Konservenbüchsen. Die städtebaulichen Projekte
aber, die in hygienischen Kleinwohnungen das Indivi-
duum als gleichsam selbständiges perpetuieren sollen,
unterwerfen es seinem Widerpart, der totalen Kapital-
macht, nur um so gründlicher. Wie die Bewohner
zwecks Arbeit und Vergnügen, als Produzenten und
Konsumenten, in die Zentren entboten werden, so kri-
stallisieren sich die Wohnzellen bruchlos zu wohlor-
ganisierten Komplexen. Die augenfällige Einheit von
Makrokosmos und Mikrokosmos demonstriert den
Menschen das Modell ihrer Kultur: die falsche Identi-
tät von Allgemeinem und Besonderem. Alle Massen-
kultur unterm Monopol ist identisch, und ihr Skelett,
das von jenem fabrizierte begriffliche Gerippe, be-
ginnt sich abzuzeichnen. An seiner Verdeckung sind
die Lenker gar nicht mehr so sehr interessiert, seine
Gewalt verstärkt sich, je brutaler sie sich einbekennt.
Lichtspiele und Rundfunk brauchen sich nicht mehr
als Kunst auszugeben. Die Wahrheit, daß sie nichts
sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die
den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich her-
stellen. Sie nennen sich selbst Industrien, und die pu-
blizierten Einkommensziffern ihrer Generaldirektoren
schlagen den Zweifel an der gesellschaftlichen Not-...”


[Dialektik der Aufklärung: Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 1317 (vgl. GS 3, S. 141 ff.)]

 

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