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Betr.:

Einleitung  § 1
Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (183) 
Vorrede zur ersten Ausgabe [1817]   >>>

Physik, Chemie, Biologie... , alle Wissenschaften haben ihre Gegenstände, die wir und erst recht die Wissenschaftler selbst sich unmittelbar vorstellen können. Die Forschungsmethoden, ihre Grundlagen und Weiterentwicklungen sind bereits vorgegeben.

Die Philosophie hat diese Vorteile nicht.

Die Gegenstände der Wissenschaften kann sich jeder vorstellen, die Methoden der Forschung sind bereits etabliert, aber beim Lesen dieses ersten hegelschen Satzes hat das alltägliche Bewußtsein schon ein Problem:

Hegel sagt: „... unmittelbar von der Vorstellung zugegeben...“

Er spricht also nicht von uns, auch nicht von den Wissenschaftlern, nicht von „jeder“ oder „man“, die sich etwas vorstellen könnten, sondern Hegel macht die Vorstellung zum Subjekt.

Die Gegenstände sind von der Vorstellung als unmittelbar daseiend zugegeben.

Die Vorstellung selbst tut hier etwas.

Die Philosophie hat zunächst ihren Gegenstand ebenfalls und zwar gemeinschaftlich mit der Religion.

Gegenstand der Philosophie ist die Wahrheit (sophia), und zwar im höchsten Sinne - in dem, daß Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist.

Hegel sagt nicht: Die Philosophie bezieht sich auf die Wahrheit, im Gegensatz zur Religion, die sich auf Gott bezieht.

Das könnten wir erwarten, z.B. weil die religiöse Vorstellung Gott unmittelbar zum Thema hat, die Philosophie aber als Denken sich auf die Wahrheit bezieht.

Aber Hegel trennt hier Wahrheit und Gott nicht. Gott ist die Wahrheit. Worauf es hier ankommt ist, daß Gott allein die Wahrheit ist. Die Einheit von Philosophie und Religion liegt in diesem All-eins, wie wir noch sehen werden

Philosophie und Religion haben die Wahrheit zum Gegenstand,
- Gott, und beide handeln dann ferner von dem Gebiet des Endlichen, von der Natur und dem menschlichen Geiste.

Damit ist schon gesagt: Gott, die Wahrheit ist unendlich und
 „ Er allein“, einheitlich.

Das Gebiet des Endlichen ist nicht einheitlich, sondern zweifach: Natur und endlicher Geist.

Beide, Philosophie und Religion handeln ferner von der Beziehung beider Endlichkeiten aufeinander und auf Gott als auf ihre Wahrheit.

Worin liegt dann der Vorteil der anderen Wissenschaften gegenüber der Philosophie, wenn doch die Philosophie eine Bekanntschaft mit ihren Gegenständen ohne weiteres voraussetzen kann, ja muß.

Welche Probleme hat die Philosophie mit der Feststellung ihrer Voraussetzungen im Gegensatz zu den empirischen Wissenschaften.

Bekanntschaft mit ihren Gegenständen kann die Philosophie voraussetzen, Interesse sowieso... und sie muß sogar eine Bekanntschaft voraussetzen, sagt Hegel, weil das Bewußtsein sich der Zeit nach Vorstellungen von Gegenständen früher als Begriffe von denselben macht.

Hier ist das Bewußtsein Subjekt, das sich zunächst Vorstellungen von Gegenständen macht, bevor es Begriffe von ihnen hat.

So hat das philosophische Bewußtsein als der
denkende Geist zunächst, gemeinsam mit dem religiösen Bewußtsein Bekanntschaft und Vorstellung von ihrem Gegenstand und nicht nur „zunächst“ als Provisorium, sondern weil der denkende Geist sogar nur durchs Vorstellen hindurch und auf das Vorstellen sich wendend zum denkenden Erkennen fortgeht.

Hier ist schon vorausgreifend unterschieden zwischen Vorstellung und Vorstellen. Der denkende Geist hat das Vorstellen des Bewußtseins zum Gegenstand, d. h. der denkende Geist reflektiert auf das Bewußtsein (und damit auch schon auf sich selbst).

Erst in der Reflexion hat das Bewußtsein Begriffe.

Warum sind Vorstellungen der Zeit nach früher als Begriffe?

Der Zeit nach, im Bereich des Endlichen, in Zeit und Raum, sind Vorstellungen früher als Begriffe, im Bereich des Absoluten, in der Wahrheit, - Gott, im logischen „Bereich“ ist der Begriff zuerst.

Aber das alles wird hier nur angedeutet und das Hauptgewicht liegt auf der Untrennbarkeit von Vorstellen und Denken.

Und so folgt im Text hier ein neuer Begriff: Das denkende Betrachten.

Wir haben es hier nicht mit der bloßen Vorstellung zu tun, aber auch nicht mit einem rein-logischen Bewußtsein, sondern mit denkendem Betrachten.

Was ist der Gegenstand dieser denkenden Betrachtung?

Beim denkenden Betrachten stellt es sich heraus („gibt’s sich bald kund...“), daß es gefordert ist, die Notwendigkeit seines Inhalts erst noch zu zeigen.

Die empirischen Wissenschaften haben ihre Gegenstände als unbestritten vorausgesetzt. Die Materie der Physik, die Stoffe der Chemie, die lebendigen Wesen der Biologie sind da.

Aber was ist das Sein und was sind die näheren Bestimmungen des denkenden Betrachtens der Philosophie?

Gibt es die Wahrheit, - Gott?

Und was ist diese Wahrheit?

 

                                                                      Manfred Herok     2004

 

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Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse:


§ 231

cc) In der konkreten Einzelheit, so daß die in der Definition einfache Bestimmtheit als
ein Verhältnis aufgefaßt ist, ist der Gegenstand eine synthetische Beziehung unterschiedener Bestimmungen;
- ein Theorem.
Die Identität derselben, weil sie verschiedene sind, ist eine vermittelte.
Das Herbeibringen des Materials, welches die Mittelglieder ausmacht, ist die Konstruktion, und die Vermittlung selbst, woraus die Notwendigkeit jener Beziehung für das Erkennen hervorgeht, der Beweis.

Nach gewöhnlichen Angaben von dem Unterschiede der synthetischen und analytischen Methode erscheint es im ganzen als beliebig, welche man gebrauchen wolle.
Wenn das Konkrete, das nach der synthetischen Methode als Resultat dargestellt ist, vorausgesetzt wird,
so lassen sich aus demselben die abstrakten Bestimmungen als Folgen herausanalysieren,
welche die Voraussetzungen und das Material für den Beweis ausmachten.
Die algebraischen Definitionen der krummen Linien sind Theoreme in dem geometrischen Gange;
so würde etwa auch der pythagoreische Lehrsatz, als Definition des rechtwinkligen Dreiecks angenommen,
die in der Geometrie zu seinem Behuf früher erwiesenen Lehrsätze durch Analyse ergeben.
Die Beliebigkeit der Wahl beruht darauf, daß die eine wie die andere Methode von einem äußerlich Vorausgesetzten ausgeht.
Der Natur des Begriffes nach ist das Analysieren das erste, indem es den gegebenen empirisch-konkreten Stoff vorerst in die Form allgemeiner Abstraktionen zu erheben hat,
welche dann erst als Definitionen in der synthetischen Methode vorangestellt werden können.
Daß diese Methoden, so wesentlich und von so glänzendem Erfolge in ihrem eigentümlichen Felde,
für das philosophische Erkennen unbrauchbar sind, erhellt von selbst, da sie Voraussetzungen haben und das Erkennen sich darin als Verstand und als Fortgehen an formeller Identität verhält.
Bei Spinoza, der die geometrische Methode vornehmlich, und zwar für spekulative Begriffe gebrauchte,
macht sich der Formalismus derselben sogleich auffallend. Die Wolffsche Philosophie, welche sie zum weitesten Pedantismus ausgebildet, ist auch ihrem Inhalte nach Verstandesmetaphysik.
- An die Stelle des Mißbrauchs, der mit dem Formalismus dieser Methoden in der Philosophie und in den Wissenschaften getrieben worden,
ist in neueren Zeiten der Mißbrauch mit der sogenannten Konstruktion getreten.
Durch Kant war die Vorstellung in Umlauf gebracht worden, daß die Mathematik ihre Begriffe konstruiere;
dies sagte nichts anderes, als daß sie es mit keinen Begriffen, sondern mit abstrakten Bestimmungen sinnlicher Anschauungen zu tun hat.
So ist denn die Angabe sinnlicher, aus der Wahrnehmung aufgegriffener Bestimmungen mit Umgehung des Begriffs und der fernere Formalismus, philosophische und wissenschaftliche Gegenstände nach einem vorausgesetzten Schema tabellarisch, übrigens nach Willkür und Gutdünken, zu klassifizieren, eine Konstruktion der Begriffe genannt worden.
Es liegt dabei wohl eine dunkle Vorstellung der Idee, der Einheit des Begriffes und der Objektivität,
sowie daß die Idee konkret sei, im Hintergrunde.
Aber jenes Spiel des sogenannten Konstruierens ist weit entfernt, diese Einheit darzustellen, die nur der Begriff als solcher ist, und ebensowenig ist das Sinnlich-Konkrete der Anschauung ein Konkretes der Vernunft und der Idee.
Weil es übrigens die Geometrie mit der sinnlichen, aber abstrakten Anschauung des Raums zu tun hat,
so kann sie ungehindert einfache Verstandesbestimmungen in ihm fixieren; sie hat deswegen allein die synthetische Methode des endlichen Erkennens in ihrer Vollkommenheit.
Sie stößt jedoch in ihrem Gange, was sehr bemerkenswert ist, zuletzt auf Inkommensurabilitäten und Irrationalitäten, wo sie, wenn sie im Bestimmen weitergehen will, über das verständige Prinzip hinausgetrieben wird.
Auch hier tritt, wie sonst häufig, an der Terminologie die Verkehrung ein, daß, was rational genannt wird,
das Verständige, was aber irrational, vielmehr ein Beginn und Spur der Vernünftigkeit ist.
Andere Wissenschaften, wenn sie, was ihnen notwendig und oft, da sie sich nicht in dem Einfachen des Raumes oder der Zahl befinden, geschieht, an die Grenze ihres verständigen Fortgehens kommen,
helfen sich auf leichte Weise.
Sie brechen die Konsequenz desselben ab und nehmen, was sie brauchen, oft das Gegenteil des Vorhergehenden, von außen, aus der Vorstellung, Meinung, Wahrnehmung oder woher es sonst sei, auf.
Die Bewußtlosigkeit dieses endlichen Erkennens über die Natur seiner Methode und deren Verhältnis zum Inhalt läßt es weder erkennen,
daß es in seinem Fortgehen durch Definitionen, Einteilungen usf.
von der Notwendigkeit der Begriffsbestimmungen fortgeleitet wird, noch wo es an seiner Grenze ist,
noch, wenn es dieselbe überschritten hat, daß es sich in einem Felde befindet, wo die Verstandesbestimmungen nicht mehr gelten, die es jedoch roherweise noch darin gebraucht.

§ 232

Die Notwendigkeit, welche das endliche Erkennen im Beweise hervorbringt, ist zunächst eine äußerliche,
nur für die subjektive Einsicht bestimmte.
Aber in der Notwendigkeit als solcher hat es selbst seine Voraussetzung und den Ausgangspunkt,
das Vorfinden und Gegebensein seines Inhalts, verlassen.
Die Notwendigkeit als solche ist an sich der sich auf sich beziehende Begriff.
Die subjektive Idee ist so an sich zu dem an und für sich Bestimmten, Nichtgegebenen, und daher demselben als dem Subjekte Immanenten gekommen und geht in die Idee des Wollens über.

Zusatz. Die Notwendigkeit, zu welcher das Erkennen durch den Beweis gelangt, ist das Gegenteil von dem, was für dasselbe den Ausgangspunkt bildet.
In seinem Ausgangspunkt hatte das Erkennen einen gegebenen und zufälligen Inhalt; nunmehr aber,
am Schluß seiner Bewegung, weiß es den Inhalt als einen notwendigen, und diese Notwendigkeit ist durch die subjektive Tätigkeit vermittelt.
Ebenso war zunächst die Subjektivität ganz abstrakt eine bloße tabula rasa, wohingegen dieselbe sich nunmehr als bestimmend erweist.
Hierin aber liegt der (Übergang von der Idee des Erkennens zur Idee des Wollens.
Dieser Übergang besteht dann näher darin, daß das Allgemeine in seiner Wahrheit als Subjektivität,
als sich bewegender, tätiger und Bestimmungen setzender Begriff aufzufassen ist

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"Der Bürger aber ist tolerant.
Seine Liebe zu den Leuten, wie sie sind, entspringt dem Hass gegen den richtigen Menschen.”

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