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Physik, Chemie, Biologie... , alle Wissenschaften haben ihre Gegenstände, die wir und erst recht die Wissenschaftler selbst sich unmittelbar vorstellen können. Die Forschungsmethoden, ihre Grundlagen und Weiterentwicklungen sind bereits vorgegeben.
Die Philosophie hat diese Vorteile nicht.
Die Gegenstände der Wissenschaften kann sich jeder vorstellen, die Methoden der Forschung sind bereits etabliert, aber beim Lesen dieses ersten hegelschen Satzes hat das alltägliche Bewußtsein schon ein Problem:
Hegel sagt: „... unmittelbar von der Vorstellung zugegeben...“
Er spricht also nicht von uns, auch nicht von den Wissenschaftlern, nicht von „jeder“ oder „man“, die sich etwas vorstellen könnten, sondern Hegel macht die Vorstellung zum Subjekt.
Die Gegenstände sind von der Vorstellung als unmittelbar daseiend zugegeben.
Die Vorstellung selbst tut hier etwas.
Die Philosophie hat zunächst ihren Gegenstand ebenfalls und zwar gemeinschaftlich mit der Religion.
Gegenstand der Philosophie ist die Wahrheit (sophia), und zwar im höchsten Sinne - in dem, daß Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist.
Hegel sagt nicht: Die Philosophie bezieht sich auf die Wahrheit, im Gegensatz zur Religion, die sich auf Gott bezieht.
Das könnten wir erwarten, z.B. weil die religiöse Vorstellung Gott unmittelbar zum Thema hat, die Philosophie aber als Denken sich auf die Wahrheit bezieht.
Aber Hegel trennt hier Wahrheit und Gott nicht. Gott ist die Wahrheit. Worauf es hier ankommt ist, daß Gott allein die Wahrheit ist. Die Einheit von Philosophie und Religion liegt in diesem All-eins, wie wir noch sehen werden
Philosophie und Religion haben die Wahrheit zum Gegenstand, - Gott, und beide handeln dann ferner von dem Gebiet des Endlichen, von der Natur und dem menschlichen Geiste.
Damit ist schon gesagt: Gott, die Wahrheit ist unendlich und „ Er allein“, einheitlich.
Das Gebiet des Endlichen ist nicht einheitlich, sondern zweifach: Natur und endlicher Geist.
Beide, Philosophie und Religion handeln ferner von der Beziehung beider Endlichkeiten aufeinander und auf Gott als auf ihre Wahrheit.
Worin liegt dann der Vorteil der anderen Wissenschaften gegenüber der Philosophie, wenn doch die Philosophie eine Bekanntschaft mit ihren Gegenständen ohne weiteres voraussetzen kann, ja muß.
Welche Probleme hat die Philosophie mit der Feststellung ihrer Voraussetzungen im Gegensatz zu den empirischen Wissenschaften.
Bekanntschaft mit ihren Gegenständen kann die Philosophie voraussetzen, Interesse sowieso... und sie muß sogar eine Bekanntschaft voraussetzen, sagt Hegel, weil das Bewußtsein sich der Zeit nach Vorstellungen von Gegenständen früher als Begriffe von denselben macht.
Hier ist das Bewußtsein Subjekt, das sich zunächst Vorstellungen von Gegenständen macht, bevor es Begriffe von ihnen hat.
So hat das philosophische Bewußtsein als der denkende Geist zunächst, gemeinsam mit dem religiösen Bewußtsein Bekanntschaft und Vorstellung von ihrem Gegenstand und nicht nur „zunächst“ als Provisorium, sondern weil der denkende Geist sogar nur durchs Vorstellen hindurch und auf das Vorstellen sich wendend zum denkenden Erkennen fortgeht.
Hier ist schon vorausgreifend unterschieden zwischen Vorstellung und Vorstellen. Der denkende Geist hat das Vorstellen des Bewußtseins zum Gegenstand, d. h. der denkende Geist reflektiert auf das Bewußtsein (und damit auch schon auf sich selbst).
Erst in der Reflexion hat das Bewußtsein Begriffe.
Warum sind Vorstellungen der Zeit nach früher als Begriffe?
Der Zeit nach, im Bereich des Endlichen, in Zeit und Raum, sind Vorstellungen früher als Begriffe, im Bereich des Absoluten, in der Wahrheit, - Gott, im logischen „Bereich“ ist der Begriff zuerst.
Aber das alles wird hier nur angedeutet und das Hauptgewicht liegt auf der Untrennbarkeit von Vorstellen und Denken.
Und so folgt im Text hier ein neuer Begriff: Das denkende Betrachten.
Wir haben es hier nicht mit der bloßen Vorstellung zu tun, aber auch nicht mit einem rein-logischen Bewußtsein, sondern mit denkendem Betrachten.
Was ist der Gegenstand dieser denkenden Betrachtung?
Beim denkenden Betrachten stellt es sich heraus („gibt’s sich bald kund...“), daß es gefordert ist, die Notwendigkeit seines Inhalts erst noch zu zeigen.
Die empirischen Wissenschaften haben ihre Gegenstände als unbestritten vorausgesetzt. Die Materie der Physik, die Stoffe der Chemie, die lebendigen Wesen der Biologie sind da.
Aber was ist das Sein und was sind die näheren Bestimmungen des denkenden Betrachtens der Philosophie?
Gibt es die Wahrheit, - Gott?
Und was ist diese Wahrheit?
Manfred Herok 2004
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