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“Man kann folglich genau den Augenblick angeben, in dem »Hegel zu Hegel wurde«:
“Erst als er der ästhetisch-griechischen Vision der organischen gesellschaftlichen Totalität der Sittlichkeit abschwor. (die ihren ausgeprägtesten Ausdruck in seinem posthum veröffent- lichten System der Sittlichkeit aus den Jahren 1802/1803 erfuhr, einem Text, der eindeutig auf das vorausweist, was später als der »organisch-protofaschistische«, korporativ-organizistische Begriff der Gesellschaft entwickelt wurde), das heißt, als er sich der Tatsache bewusst wurde, dass der einzig wahre Weg zur konkreten Allge- meinheit für das Subjekt darin besteht, bei jeder direkten Wahl zwischen abstrakter Negativität und einem konkreten Ganzen die abstrakte Negativität zu wählen. Diese theoretische Verschiebung lässt sich am deutlichsten beim jungen Hegel und seiner oszillie- renden Wertschätzung des Christentums ausmachen. Hegel »wird«in dem Augenblick »zu Hegel«, als er das erschütternde »abstrakt negative« Skandalon des Erscheinens Christi billigte, das heißt in dem Augenblick, als er die nostalgische Hoffnung auf eine Rückkehr zu einer neuen Version des griechischen Sittenkodex als eine Lösung der Probleme der Moderne über Bord warf. In diesem Sinn bleibt die » Versöhnung« beim reifen Hegel zutiefst mehrdeutig: Sie bezeichnet ebenso die Aussöhnung einer Spaltung (die Heilung der Wunde im Gesellschaftskörper), wie auch die Ver- söhnung mit dieser Spaltung als dem notwendigen Preis für die Freiheit des Individuums. Hinsichtlich der Politik ist man daher versucht, den verbreiteten Mythos vom jungen »revolutionären« Hegel umzukehren, der ja dann in seinen späteren Jahren seine subversiven Ursprünge verleugnete und zu jenem Staatsphilosophen wurde, der die bestehende Ordnung als Verkörperung der Vernunft, als »wirklich existierenden Gott« feierte: Weit eher war es der junge Hegel, dessen »revolutionäres« Projekt -wenigstens aus heutiger Perspekive- die faschistische »Ästhetisierung des Politischen« ankündigte, die Etablierung einer neuen organischen Ordnung, die die moderne Individualität abschafft.”
(Slavoj Zizek, Die Tücke des Subjekts, Suhrkamp 2001, S.132)
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