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HEGEL: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / 1. Metaphysik/B. Philosophie des Aristoteles.” Kontext>>>
....Aristoteles ist aus Stagira gebürtig, einer thrakischen Stadt am strymonischen Meerbusen, einer griechischen Kolonie, - ob also schon in Thrakien, ein geborener Grieche. Diese griechische Kolonie fiel inzwischen unter die Herrschaft Philipps von Makedonien, wie das übrige Land. Sein Geburtsjahr ist das erste der 99. Olympiade (384 v. Chr.). Platon wurde im dritten Jahre der 87. Olympiade (430 v. Chr.) geboren; Aristoteles ist mithin 46 Jahre jünger und wurde geboren 16 Jahre nach dem Tode des Sokrates (Ol. 95, 1; 400 v. Chr.). Sein Vater Nikomachos, ein Arzt, war Leibarzt bei dem makedonischen Könige Amyntas, dem Vater des Philippos. Nach dem Tode seiner Eltern, die er früh verlor, wurde er von Proxenos (seinem Verwandten) erzogen, dem er beständige Dankbarkeit widmete, dessen Andenken er sein ganzes Leben hindurch wert hielt und es durch Statuen ehrte, auch ihm seine Erziehung dadurch vergalt, daß er späterhin seinen Sohn Nikanor erzog und an Kindes Statt annahm und zu seinem Erben einsetzte. Im 17. Jahre seines Alters kam Aristoteles nach Athen und verweilte daselbst 20 Jahre im Umgange mit Platon. Er hat so Gelegenheit gehabt, die Platonische Philosophie ganz genau kennenzulernen; und wenn man daher sagen hört, er habe sie nicht verstanden, so zeigt sich dies schon nach den äußeren Umständen als willkürliche, ganz unbegründete Annahme. Über das Verhältnis Platons zu Aristoteles, besonders über den Umstand, daß Platon nicht den Aristoteles zu seinem Nachfolger erwählte in der Akademie, sondern Speusipp, einen nahen Verwandten, werden von Diogenes (V, § 2) eine Menge unnützer, sich widersprechender Anekdoten beigebracht. Sollte die Fortsetzung der Platonischen Schule dies ausdrücken, daß seine Philosophie genauer im Sinne Platons darin sich erhielte, so konnte Platon allerdings den Aristoteles nicht zu seinem Nachfolger ernennen, - so war Speusipp der Mann. Platon hat jedoch in der Tat den Aristoteles zum Nachfolger gehabt; denn Aristoteles trug die Philosophie im Sinne des Platon, aber tiefer und erweiterter vor, so daß er sie zugleich weitergebracht hat. Der Verdruß über dies Übergehen soll die Ursache gewesen sein, daß Aristoteles nach Platons Tode (Ol. 108, 1; 348 v. Chr.) Athen verließ und einige Jahre bei Hermias, dem Dynasten von Atarnea in Mysien lebte. Dieser war nämlich Aristoteles' Mitschüler bei Platon gewesen und hatte damals mit Aristoteles eine enge Freundschaft gestiftet. Drei Jahre verlebte Aristoteles bei ihm. Hermias, ein unabhängiger Fürst, wurde nebst anderen absoluten griechischen Fürsten und Republiken in Kleinasien von einem persischen Satrapen unterjocht; Hermias wurde nach Persien zu Artaxerxes gefangengeschickt, der ihn ohne weiteres kreuzigen ließ. Um einem ähnlichen Schicksale zu entgehen, entfloh Aristoteles mit der Tochter des Hermias, Pythias, seiner Gemahlin, nach Mytilene, lebte dort. Dem Hermias aber errichtete er eine Statue in Delphi mit einer Inschrift, die uns noch erhalten ist; aus ihr erhellt, daß er hinterlistig, durch Verrat in die Gewalt der Perser gekommen. Aristoteles verherrlichte seinen Namen ebenso durch eine schöne Hymne auf die Tugend, die gleichfalls auf uns gekommen ist.
Von Mytilene wurde er (Ol. 109, 2; 343 v. Chr.) durch Philipp von Makedonien berufen, um die Erziehung des Alexander zu übernehmen, der damals 15 Jahr alt war. WEITER>>>
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