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Thomas_von_Aquin

manfred herok©2000-10

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Thomas von Aquin  auch Thomas Aquinas oder der Aquinate; it. Tommaso d'Aquino,  Mönch, Kirchenlehrer
* um 1226 auf Schloß Roccasecca bei Neapel
+ 7. März 1274 im Kloster Fossanuova südlich von Rom

"Gott ist sein Sein selbst.

Das kann von keinem anderen Wesen ausgesagt werden."

Man kann nicht einfach nur glauben, man kann nur glauben, was man weiß, und wissen kann man auch etwas über Gott, seine Weltordnung, den Menschen und das Heil.”

Thomas, geboren als Sproß des italienischen Grafengeschlechts derer von Aquino, kam mit fünf Jahren als "Oblate", als gottgeweihtes Kind, zu den Benediktinern ins Kloster auf dem benachbarten Montecassino, wo sein Onkel Abt war, der ihn für eine gelingende Karriere präparieren sollte.

 Mit 14 Jahren studierte Thomas in Neapel und lernte dort den jungen Dominikanerorden kennen. Gegen den Willen der Eltern trat er 1243 in diesen Orden ein. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, entführte seine Familie ihn hielt ihn über ein Jahr lang im eigenen Schloßturm gefangen.

Thomas blieb aber unbeugsam. Die Familie beauftragte einer Überlieferung zufolge deshalb eine Frau von betörender Schönheit, um den hauseigenen Häftling endgültig von seinen Überzeugungen zu kurieren und zu Sinnenfreuden zurückzuführen. Im Erfolgsfall wurde ihr eine hohe Belohnung versprochen, doch selbst diese Methode schlug bei dem glaubensfesten Thomas nicht an: er jagte die Dame mit einer brennenden Fackel in die Flucht. Mit Hilfe einiger verkleideter Ordensbrüder soll ihm schließlich die Flucht aus dem Familiengefängnis gelungen sein.

Nach seiner Befreiung folgten 1244 bis 1248 weitere Studien in Bologna, in Paris und in Köln bei == Albertus Magnus. Mit philosophisch-theologischen Vorlesungen begann er 1252 die eigene Lehrtätigkeit zunächst in Paris, später in Italien, schließlich in Rom mit verschiedenen Ämtern im Vatikan. Dort entstand sein bekannteste Werk, die bis heute wegweisende "Summa Theologiae", das "Lehrbuch der Theologie". In der "Summa contra gentiles", dem "Lehrbuch gegen die (ungläubigen) Völker", setzte er sich tiefschürfend mit der arabischen Philosophie auseinander.

Thomas war der wohl größte katholische Theologe aller Zeiten. Er bemühte sich in seinen Werken, Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammenzubringen, war ein glasklarer Denker von höchster analytischer Intelligenz, zugleich aber auch ein frommer Beter und demütig Glaubender. Sonne, Stern, Edelstein, mit denen er dargestellt wird, symbolisieren sein "Geisteslicht", mit der er die Kirche erleuchtet; die Taube aus seinem Mund oder ihm ins Ohr flüsternd symbolisiert sein Weisheit. Die Legende schreibt ihm einen kurzen Dialog unter einem Kreuz zu: Er habe die Stimme Gottes gehört: "Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst Du?" Darauf Thomas: "Nur Dich allein, Herr. Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir wie Spreu vor!"

Auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater geladen hatte, starb er am in der Zisterzienserabtei Fossanuova; legendäre Gerüchte sprechen von Vergiftung. Er selbst hatte alle Würden immer abgelehnt, nach seinem Tod wurde er aber zum Bischof von Umbrien erklärt. Thomas' Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt.

 

 

"Aller Anfang ist hingeordnet auf Vollendung." - Summa theologica

“Alles Böse gründet in einem Guten, und alles Falsche in einem Wahren."
 - Über das Böse

"Das Staunen ist eine Sehnsucht nach Wissen." - Summa theologica

"Die Lust ist eine Art Vollendung des Wirkens."
- Summe gegen die Heiden

"Die Offenbarung Gottes zeigt uns mehr, was er nicht ist als was er ist."
- De anima

"Die Rechtheit der Absicht allein macht nicht schon den ganzen guten Willen."
- Summa theologica

"Ein jedes Wesen, das seine eigene Vollendung erstrebt,
strebt nach Gottähnlichkeit." - Summe gegen die Heiden

"Gott ist sein Sein selbst.
Das kann von keinem anderen Wesen ausgesagt werden."   
- De spirtualibus creaturis

”Gott und was in Gott ist, hat nicht ein Ziel, sondern ist das Ziel."
- Über die Macht Gottes

"Im Menschen ist nicht allein Gedächtnis, sondern Erinnerung." 
- Über die Seele                                                                                                  

"Jedes Wesen liebt von Natur auf seine Weise Gott mehr als sich selbst."
- Summa theologica "

"Nicht jeder, der von einem Engel erleuchtet wird, erkennt,
dass er von einem Engel erleuchtet wird." - Summa theologica

"Wohin wir naturhaft hinneigen, das unterliegt nicht der freien Entscheidung." - Summa theologica

 

Adoro te devote, latens Deitas
Quae sub his figuris vere latitas:
Tibi se cor meum totum subiicit,
quia te contemplans totum deficit.

Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir.
Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier:
Sieh mit ganzem Herzen, geb' ich dir mich hin,
weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Thomas von Aquino

So berühmt Petrus Lombardus war, ebenso Thomas Aquinas, aus dem gräflichen Geschlechte Aquino im Neapolitanischen auf dem väterlichen Schlosse Roccasicca 1224 geboren. Er trat in den Dominikanerorden und starb 1274 auf einer Reise zu einer Lyoner Kirchenversammlung. Er war ein Schüler des Albertus Magnus, schrieb Kommentarien über Aristoteles und den Petrus Lombardus und verfaßte auch selbst eine Summa theologiae (summa heißt Lehrbegriff), die ihm, wie seine übrigen Schriften, das größte Ansehen erwarb, - ein Hauptbuch in der ganzen scholastischen Theologie. Er besaß eine sehr ausgebreitete Kenntnis der Theologie und des Aristoteles; er hieß auch Doctor angelicus und communis, ein zweiter Augustin.

Es finden sich in diesem Buche zwar logische Förmlichkeiten, aber nicht dialektische Spitzfindigkeiten, sondern gründliche metaphysische (spekulative) Gedanken über den ganzen Umfang der Theologie und Philosophie. Er hat ebenso Fragen, Antworten und Zweifel hinzugefügt und den Punkt angegeben, von dem die Auflösung abhängt. Das Hauptgeschäft der scholastischen Theologie hat darin bestanden, die Summa des Thomas auszuführen; und so sind auch viele Bücher über die Sententiae des Petrus Lombardus geschrieben worden. Die Hauptsache war, die Theologie philosophisch und weiter systematisch zu machen; Petrus Lombardus und Thomas von Aquino sind in dieser Rücksicht die berühmtesten, und man hat sie bei allen weiteren gelehrten Bearbeitungen lange zugrunde gelegt.

Thomas war Realist. Zugrunde liegen aristotelische Formen, z. B. die des Substantiellen (forma substantialis), seiner Entelechie (ενέγεeια) analog. Über die Erkenntnislehre sagte er: Die materiellen Dinge bestehen aus Form und Materie; die Seele hat die substantielle Form des Steines in sich.

In Rücksicht der formellen Ausbildung der philosophischen Theologie ist ein Dritter berühmt:                                                            [Duns Scotus, Doctor subtilis  >>> ]

(Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / b. Thomas von Aquino )

 

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