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                                                                                                                                manfred herok    2013

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Hegel   -   Heraklit

 

D. Philosophie des Heraklit

Lassen wir die Ionier weg, die das Absolute noch nicht als Gedanken faßten,
und ebenso die Pythagoreer, so haben wir das reine Sein der Eleaten und die Dialektik, welche alle endlichen Verhältnisse vernichtet.
Das Denken ist der Prozeß solcher Erscheinungen; das Sein, die Welt ist an ihr selbst das Erscheinende, nur das reine Sein ist das Wahrhafte.
Die Dialektik des Zenon greift also die Bestimmungen auf, die im Inhalt selbst liegen.
Sie kann insofern auch noch subjektive Dialektik genannt werden, insofern sie in das betrachtende Subjekt fällt, und das Eine ist ohne diese Dialektik, ohne diese Bewegung, Eins, abstrakte Identität.
Der weitere Schritt von der subjektiven Dialektik des Zenon ist, daß diese Dialektik selbst objektiv werden muß, d. h. diese Bewegung selbst als das Objektive gefaßt werde.
Aristoteles tadelt die Pythagoreischen Zahlen und die Platonischen Ideen, weil sie die Substanzen der Dinge sind, diese an ihnen teilnehmen, - dies sei ein leeres Gerede; was ist aber das Wirksame?
Auch den Thales tadelt Aristoteles, daß er die Bewegung aufhob;
im Parmenides haben wir das Sein und die Dialektik als Bewegung im Subjekte.
Heraklit faßt nun das Absolute selbst als diesen Prozeß, als Dialektik selbst auf.
Die Dialektik ist
a) äußerliche Dialektik, Räsonieren hin und her, nicht die Seele des Dinges selbst sich auflösend;
ß) immanente Dialektik des Gegenstandes, fallend aber in die Betrachtung des Subjekts;
?) Objektivität Heraklits, d. h. die Dialektik selbst als Prinzip auffassen.
Es ist der notwendige Fortschritt, und es ist der, den Heraklit gemacht hat.
Das Sein ist das Eine, das Erste; das Zweite ist das Werden, - zu dieser Bestimmung ist er fortgegangen.
Das ist das erste Konkrete, das Absolute als in ihm die Einheit Entgegengesetzter.
Bei ihm ist also zuerst die philosophische Idee in ihrer spekulativen Form anzutreffen:
das Räsonnement des Parmenides und Zenon ist abstrakter Verstand;
Heraklit wurde so auch überall als tiefdenkender Philosoph gehalten, ja auch verschrien.
Hier sehen wir Land; es ist kein Satz des Heraklit, den ich nicht in meine Logik aufgenommen.

                                                                                                           Fragmente >>>

Heraklit, um die 70. Olympiade (500 v. Chr.) berühmt, war ein Epheser1) ,
zum Teil noch gleichzeitig mit Parmenides.
Er hat angefangen die Trennung, Zurückgezogenheit der Philosophen von den öffentlichen Angelegenheiten und Interessen des Vaterlands. Wir haben
a) die Sieben Weisen, als Staatsmänner, Regenten, Gesetzgeber;
ß) die pythagoreische Bund -Aristokratie;
?) die Philosophie, das Interesse der Wissenschaft für sich. Heraklit widmete sich nur den Wissenschaften, lebte in Einsamkeit ganz der Philosophie.
Von seinem Leben ist wenig mehr bekannt als das Verhältnis zu seinen Landsleuten,
den Ephesern; und dies war vornehmlich dies, daß sie ihn verachtet haben,
aber noch tiefer von ihm verachtet worden sind
2) - ein Verhältnis,
wie gegenwärtig in der Welt, wo jeder für sich ist und alle anderen verachtet.
Wir sehen in ihm die Absonderung von der Menge.
In diesem edlen Geiste ist diese Verachtung entstanden aus dem tiefen Gefühl von der Verkehrtheit der Vorstellungen und des gemeinsamen Lebens seiner Landsleute;
einzelne Ausdrücke bei verschiedenen Gelegenheiten sind darüber noch aufbewahrt. Diogenes Laertios (IX, § 2) erzählt, Heraklit habe gesagt:
"Es gebührte den Ephesern, allen, wie sie erwachsen (??ß?d??),
daß ihnen die Hälse gebrochen, daß den Unmündigen die Stadt überlassen würde"
(wie man jetzt auch gemeint hat, daß die Jugend nur verstehe zu regieren),
"weil sie seinen Freund Hermodoros, den Trefflichsten unter ihnen, vertrieben hatten,
wozu sie als Grund angaben: Unter uns soll keiner der Trefflichste sein, ist ein solcher,
so sei er es anderwärts und bei anderen." Aus demselben Grunde ist es auch in der athenischen Demokratie geschehen, daß man große Männer verbannte. Proklos sagt
3) :
"Der edle Heraklit schalt das Volk als unverständig und gedankenlos.
Was ist denn, sagt er, ihr Verstand oder Besonnenheit?
Die meisten sind schlecht, wenige gut." "Seine Mitbürger haben ihn aufgefordert,
an der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten teilzunehmen; er schlug es aber aus,
weil er ihre Verfassung, Gesetze und Staatsverwaltung nicht billigte.
" Diogenes Laertios (IX, § 6) sagt weiter: "Antisthenes führt es an als Beweis der Seelengröße des Heraklit, daß er seinem Bruder das Königtum überlassen habe."

Am stärksten drückt er die Verachtung dessen, was den Menschen für Wahrheit und Recht galt, in dem Briefe aus, worin er die Einladung des Darios Hystaspis, "ihn der griechischen Weisheit teilhaftig zu machen, da sein Werk über die Natur eine große Kraft (d??aµ??) der Theorie der Welt enthalte, aber an vielen Stellen dunkel sei, zu ihm zu kommen und ihm das zu erklären, was der Erklärung bedürfe" (dies ist freilich nicht sehr wahrscheinlich, wenn auch Heraklit orientalischen Ton hat), soll beantwortet haben 4) :
"Soviel Sterbliche leben, so sind sie der Wahrheit und Gerechtigkeit fremd und halten auf Unmäßigkeit und Eitelkeit der Meinungen, um ihres bösen Unverstandes willen.
Ich aber, indem ich die Vergessenheit alles Bösen erreicht habe und das Übermaß des Neides, der mich verfolgt, und den Übermut des hohen Standes fliehe, werde ich nicht nach Persien kommen, mit wenigem zufrieden und bei meinem Sinne bleibend."

Sein Werk (nur eins), dessen Titel einige Die Musen, andere Über die Natur nennen,
hat er im Tempel der Diana von Ephesus niedergelegt.
Es scheint noch in späteren Zeiten vorhanden gewesen zu sein; die Fragmente,
die auf uns gekommen, sind gesammelt in Stephanus,
Poesis philosophica (p. 129 f.). Schleiermacher hat sie auch gesammelt und nach einem eigentümlichen Plane geordnet: "Herakleitos, der Dunkle, von Ephesus, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten" in Wolfs und Buttmanns Museum der Altertumswissenschaft, Bd. I (Berlin 1807), S. 315-533; es sind 73 Stellen. Creuzer hatte Hoffnung gemacht, ihn zu bearbeiten mit größerer Kritik und Sprachkenntnis.
Er hat eine vollständigere Sammlung (besonders aus Grammatikern) gemacht.
Da er aber bei Mangel an Zeit sie einem jungen Gelehrten zur Bearbeitung überlassen hatte, dieser aber starb, so kam sie nicht in das Publikum. Dergleichen Sammlungen sind aber in der Regel zu weitläufig. Sie enthalten eine Masse von Gelehrsamkeit, und man kann sie eher schreiben als lesen.

Heraklit hat als dunkel gegolten und ist berühmt wegen seiner Dunkelheit.
Cicero5) hat einen schlechten Einfall, wie es ihm oft geht; er meint, er habe absichtlich so dunkel geschrieben. Es ist dies aber sehr platt gesagt: seine eigene Plattheit, die er zur Plattheit Heraklits macht, - nämlich jener Absichtlichkeit.
Seine Dunkelheit, welche ihm auch den Beinamen "der Dunkle" (s??te????) zuzog,
ist wohl mehr Folge von vernachlässigter Wortfügung und der unausgebildeten Sprache,
was auch Aristoteles meint. Er setzt in grammatischer Hinsicht das Dunkle in Mangel an Interpunktion: man wisse nicht, ob ein Wort zum Vorhergehenden oder Nachfolgenden gehöre.
6) So auch Demetrios.7)
Sokrates sagte von diesem Buche: Was er davon verstanden, sei vortrefflich, und was er nicht verstanden habe, von dem glaube er, daß es ebenso beschaffen sei; aber es erfordere einen delischen (wackeren) Schwimmer, um durchzukommen.
8)
Das Dunkle dieser Philosophie liegt aber hauptsächlich darin, daß ein tiefer, spekulativer Gedanke in ihr ausgedrückt ist; dieser ist immer schwer, dunkel für den Verstand; die Mathematik dagegen ist ganz leicht.
Der Begriff, die Idee ist dem Verstande zuwider, kann nicht von ihm gefaßt werden.

Platon hat die Philosophie des Heraklit besonders eifrig studiert.
Wir finden viel davon in seinen Werken angeführt, und er hat seine frühere philosophische Bildung wohl unstreitig durch diese erhalten, so daß Heraklit der Lehrer Platons genannt werden kann. Hippokrates ist gleichfalls heraklitischer Philosoph.

Was uns von der Heraklitischen Philosophie berichtet wird, erscheint zunächst sehr widersprechend, aber es läßt sich mit dem Begriffe überhaupt durchkommen und ein Mann von tiefem Gedanken an ihm finden. Er ist die Vollendung des bisherigen Bewußtseins - eine Vollendung der Idee zur Totalität, welche der Anfang der Philosophie ist oder das Wesen der Idee, das Unendliche ausspricht, was es ist.

1)  Diogenes Laertios IX, § 1

2)  Diogenes Laertios IX, § 15; 3

3)  Fabricius zu Sextus Empiricus, Adversus mathematicos (VII, § 127)

4)  Diogenes Laertios IX, § 13, 14

5)  De natura deorum I, 26; III, 14; De finibus II, 5; Diogenes Laertios IX, § 6

6)  Aristoteles, Rhetorik III, 5

7)  De elocutione, § 192

8)  Diogenes Laertios II, § 22; IX, § 11-12

Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / D. Philosophie des Heraklit

 

Hegel >>>

1. Das logische Prinzip

Das allgemeine Prinzip. Dieser kühne Geist hat zuerst das tiefe Wort gesagt:
"Das Sein ist nicht mehr als das Nichtsein", es ist ebensowenig; oder Sein und Nichts sei dasselbe9) , das Wesen sei die Veränderung.
Das Wahre ist nur als die Einheit Entgegengesetzter; bei den Eleaten haben wir den abstrakten Verstand, daß nur das Sein ist. Wir sagen für Heraklits Ausdruck:
Das Absolute ist die Einheit des Seins und Nichtseins.
Wenn wir jenen Satz "Das Sein ist nicht mehr als das Nichtsein" so hören, so scheint dies nicht viel Sinn zu produzieren, nur allgemeine Vernichtung, Gedankenlosigkeit. Aber wir haben noch einen anderen Ausdruck, der den Sinn des Prinzips näher angibt. Heraklit sagt nämlich: "Alles fließt (
Panta rhei ...     πάντα ῥεῖ...), nichts besteht, noch bleibt es je dasselbe."
Und Platon sagt weiter von Heraklit: "Er vergleicht die Dinge mit dem Strome eines Flusses, - daß man zweimal in denselben Strom nicht einschreiten könne"10) ; er fließt, und man berührt anderes Wasser.
Seine Nachfolger sagen sogar, man könne nicht einmal einschreiten11) , indem er sich unmittelbar verändert; was ist, ist sogleich auch wieder nicht. Aristoteles sagt ferner12) , Heraklit stelle auf, es sei nur Eins, was bleibt; aus diesem werde alles andere umgeformt, verändert, herausgebildet; alles andere außer diesem Einen fließe, es sei nichts fest, nichts aushaltend; d. h. das Wahre ist das Werden, nicht das Sein, - die nähere Bestimmung für diesen allgemeinen Inhalt ist das Werden.
Die Eleaten sagten, nur das Sein ist, ist das Wahre; die Wahrheit des Seins ist das Werden; Sein ist der erste Gedanke, als unmittelbar. Heraklit sagt: alles ist Werden; dies Werden ist das Prinzip. Dies liegt in dem Ausdrucke "Das Sein ist sowenig als das Nichtsein;
das Werden ist und ist auch nicht". Die schlechthin entgegengesetzten Bestimmungen sind in eins verbunden; wir haben das Sein darin und auch das Nichtsein.
Es gehört nicht bloß dazu das Entstehen, sondern auch das Vergehen; beide sind nicht für sich, sondern identisch. Dies hat Heraklit damit ausgesprochen.
Das Sein ist nicht, so ist das Nichtsein, und das Nichtsein ist nicht, so ist das Sein; dies ist das Wahre der Identität beider.                                                                         
Fragmente >>>

Es ist ein großer Gedanke, vom Sein zum Werden überzugehen; es ist noch abstrakt, aber zugleich ist es auch das erste Konkrete, die erste Einheit entgegengesetzter Bestimmungen. Diese sind so in diesem Verhältnisse unruhig, das Prinzip der Lebendigkeit ist darin. Es ist damit der Mangel ersetzt, den Aristoteles an den früheren Philosophien aufgezeigt hat, - der Mangel der Bewegung; diese Bewegung ist nun hier selbst Prinzip. Es ist so diese Philosophie keine vergangene; ihr Prinzip ist wesentlich und findet sich in meiner Logik im Anfange, gleich nach dem Sein und dem Nichts.

Es ist eine große Einsicht, die man daran hat, daß man erkannt hat, daß Sein und Nichtsein nur Abstraktionen ohne Wahrheit sind, das erste Wahre nur das Werden ist. Der Verstand isoliert beide als wahr und geltend; hingegen die Vernunft erkennt das eine in dem anderen, daß in dem einen sein Anderes enthalten ist, - und so ist das All, das Absolute zu bestimmen als das Werden.

Heraklit sagt auch, das Entgegengesetzte sei an demselben, wie z. B. "der Honig süß und bitter"13) , - Sein und Nichtsein ist so am selben. Sextus merkt an: Heraklit gehe wie die Skeptiker von den gemeinen Vorstellungen der Menschen aus;
es werde niemand leugnen, daß die Gesunden von dem Honig sagen, er ist süß,
die Gelbsüchtigen, er ist bitter; wenn er nur süß ist, so könnte er seine Natur nicht durch ein Anderes verändern, er wäre allenthalben, auch im Gelbsüchtigen, süß. Zenon fängt an,
die entgegengesetzten Prädikate aufzuheben, und zeigt an der Bewegung das Entgegengesetzte auf, - ein Gesetztwerden der Grenze und ein Aufheben der Grenze; Zenon hat das Unendliche nur von seiner negativen Seite ausgesprochen, - wegen seines Widerspruchs, als das Nichtwahre.
In Heraklit sehen wir das Unendliche als solches oder seinen Begriff, Wesen ausgesprochen: das Unendliche, an und für sich Seiende ist die Einheit Entgegengesetzter, und zwar der allgemein Entgegengesetzten, des reinen Gegensatzes, Sein und Nichtsein.
Nehmen wir [das Seiende] an und für sich, nicht die Vorstellung des Seienden, des erfüllten, so ist das reine Sein der einfache Gedanke, worin alles Bestimmte negiert ist, das absolut Negative: nichts aber ist dasselbe, eben dies Sichselbstgleiche, - absoluter Übergang in das Entgegengesetzte, zu dem Zenon nicht kam: "Aus Nichts wird Nichts" .
Bei Heraklit ist das Moment der Negativität immanent; darum handelt sich der Begriff der ganzen Philosophie.

Zunächst haben wir die Abstraktion von Sein und Nichtsein gehabt, in ganz unmittelbar allgemeiner Form; näher hat aber auch Heraklit die Gegensätze auf bestimmtere Weise aufgefaßt. Es ist diese Einheit des Realen und Ideellen, des Objektiven und Subjektiven;
das Subjektive ist nur das Werden zum Objektiven, ist sonst ohne Wahrheit; das Objektive ist Werden zum Subjektiven. Dies Wahre ist der Prozeß des Werdens;
Heraklit hat dies Sichineinssetzen der Unterschiede in bestimmter Form ausgedrückt. Aristoteles sagt z. B.14) , Heraklit habe überhaupt "zusammengebunden Ganzes und Nichtganzes" (Teil)
- das Ganze macht sich zum Teil, und der Teil ist dies, zum Ganzen zu werden -, Zusammengehendes und Widerstreitendes", ebenso "Einstimmendes und Dissonierendes"; und aus allem (Entgegengesetzten) sei Eins, und aus Einem alles.
Dies Eine ist nicht das Abstrakte, sondern die Tätigkeit, sich zu dirimieren; das tote Unendliche ist eine schlechte Abstraktion gegen diese Tiefe, die wir bei Heraklit sehen. Sextus Empiricus führt an15) ,
Heraklit habe gesagt: Der Teil ist ein Verschiedenes vom Ganzen, und er ist auch dasselbe, was das Ganze ist; die Substanz ist das Ganze und der Teil.
Daß Gott die Welt geschaffen, sich selbst dirimiert, seinen Sohn erzeugt hat usw.
- alles dies Konkrete ist in dieser Bestimmung enthalten.
Platon sagt in seinem Symposion (187) von dem Prinzip des Heraklit:
"Das Eine, von sich selbst unterschieden, eint sich mit sich selbst",
- dies ist der Prozeß der Lebendigkeit, "wie die Harmonie des Bogens und der Leier".
Er läßt dann den Eryximachos, der im Symposion spricht, dies kritisieren,
daß die Harmonie disharmoniere oder aus Entgegengesetzten sei, denn nicht aus dem Hohen und Tiefen, insofern sie verschieden sind, entstehe die Harmonie,
sondern durch die Kunst der Musik geeint. Dies ist aber kein Widerspruch gegen Heraklit, der eben dies will.
Das Einfache, die Wiederholung des einen Tones ist keine Harmonie.
Zur Harmonie gehört der Unterschied; es muß wesentlich, schlechthin ein Unterschied sein.
Diese Harmonie ist eben das absolute Werden, Verändern, - nicht Anderswerden, jetzt dieses und dann ein Anderes. Das Wesentliche ist, daß jedes Verschiedene, Besondere verschieden ist von einem Anderen,
- aber nicht abstrakt irgendeinem Anderen, sondern seinem Anderen;
jedes ist nur, insofern sein Anderes an sich in seinem Begriffe enthalten ist. Veränderung ist Einheit, Beziehung beider auf Eins, ein Sein, dieses und das Andere.
In der Harmonie oder im Gedanken geben wir dies zu; sehen, denken die Veränderung, wesentliche Einheit.
Der Geist bezieht sich im Bewußtsein auf das Sinnliche, und dies Sinnliche ist sein Anderes. So auch bei den Tönen; sie müssen verschieden sein, aber so, daß sie auch einig sein können, - und dies sind die Töne an sich.
Zur Harmonie gehört bestimmter Gegensatz, sein Entgegengesetztes, wie bei Farbenharmonie.
Die Subjektivität ist das Andere der Objektivität, nicht von einem Stück Papier
- es fällt das Sinnlose hiervon gleich auf -, es muß sein Anderes sein, und darin liegt eben ihre Identität; so ist jedes das Andere des Anderen als seines Anderen.
Dies ist das große Prinzip des Heraklit; es kann dunkel erscheinen, aber es ist spekulativ; und dies ist für den Verstand, der das Sein, Nichtsein, das Subjektive und Objektive, das Reelle und Ideelle für sich festhält, immer dunkel.                                      
Fragmente >>>

9)   Aristoteles, Metaphysik IV, 7, 3

10)  Platon, Kratylos 402; Aristoteles, Metaphysik I, 6; XIII, 4

11  Aristoteles, Metaphysik IV, 5

12)  De coelo III, 1

13)  Sextus Empiricus, Pyrrhoniae hypotyposes I, 29, § 210-211; II, 6; § 63

14)  De mundo, c. 5

15)  Adversus mathematicos IX, § 337

Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie / ... / 1. Das logische Prinzip

 

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